Ein sprechender Spatz? Das klingt zunächst nach einer harmlosen Kindergeschichte. Doch „Tschiep, der Spatz vom Zoo, erzählt“ geht tiefer. Schon der Einstieg macht klar, dass hier mehr passiert: Ein halb erfrorener Vogel klopft ans Fenster – und beginnt zu erzählen.
Dabei erzählt er keine Spatzenmärchen. Ihm geht es um etwas anderes. Er möchte seine Beobachtungen teilen. Tschiep bewegt sich frei zwischen den Tieren des Zoos, hört ihnen zu und trägt ihre Erfahrungen weiter. Das Buch zeigt die Welt aus der Perspektive der Tiere.
Die Geschichten, die der kleine Spatz zu berichten hat, wirken weder putzig noch sentimental, sondern bringen die Lebenswelt einiger Wildtiere in die Kinderzimmer.
Da ist die Geschichte des Spatzen selbst – geprägt von Gewalt durch Menschen, von Verlust, von Zufall und Rettung. Da sind Tiere, die durch Technik verletzt werden, oder auch durch Gedankenlosigkeit oder Neugier, die in Grausamkeit umschlägt.
Aber es gibt auch Schönes zu berichten: Tschiep erzählt von Menschen, die Tieren helfen, die sie pflegen und Verantwortung übernehmen.
Das Buch urteilt nicht laut. Aber es lässt sich auch nicht einfach so weglesen. Autor Rolf Meyer stellt mit diesem Buch auch ganz grundlegende Fragen. Was tun wir Tieren an – bewusst oder unbewusst? Was wissen wir eigentlich über ihr Leben, bevor wir sie sehen? Und wie anders würden wir handeln, wenn wir ihre Geschichten kennen würden?
Gerade für Kinder ab etwa acht Jahren ist das ein besonderer Zugang: Das Buch kommt nicht belehrend daher. Die Erkenntnisse reiren beim Lesen oder Hören der Geschichten, durch die Erzählungen von Tschiep, dem Spatz. So öffnet sich der Blick leise, aber nachhaltig.


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