Was passiert, wenn man Glaubensbegriffe einfach beim Wort nimmt

von | Apr. 21, 2026 | Denkanstöße | 0 Kommentare

Zweifel sind nützlich. Denken ist hilfreich. Lachen wirkt heilsam.

Selten wird so knapp zusammengefasst, worum es eigentlich geht, wenn man sich mit Religion beschäftigt. Otto Diendorfer zeigt mit seiner Einleitung zugleich deutlich, was oft fehlt: ein unvoreingenommener Blick. Den beweist er in seinem Buch „Allerlei Gotteslästerliches – Ein Lexikon“. Er geht darin auf Spurensuche im alltäglichen Sprachgebrauch.

Viele Begriffe, die im religiösen Kontext verwendet werden, wirken vertraut: Glaube, Sünde, Erlösung, Allmacht. Diese Wörter kennen wir alle, wir sind sozusagen damit aufgewachsen. Gerade deshalb stellt man sie kaum noch infrage. Man nimmt sie hin – und denkt kaum noch darüber nach.

Doch was passiert, wenn man einmal nicht mehr alles als gegeben hinnimmt? Wenn man diese tradierten Begriffe einmal nicht mehr als selbstverständlich ansieht, sondern sie im besten Wortsinn auseinandernimmt, um zu untersuchen, was wirklich dahintersteckt? Dann behandelt man solche Begriffe plötzlich nicht mehr ehrfürchtig, sondern nüchtern. Otto Diendorfer hat es getan. Er hat viele Stichwörter neu betrachtet und ihnen dabei auch die Freiheit zugestanden, absurd zu wirken, wo sie es sind.

An diesem Punkt wird es interessant. Denn plötzlich zeigt sich, dass viele dieser Begriffe weniger eindeutig sind, als sie zunächst erscheinen. Sie behaupten mehr, als sie erklären. Und letztlich verändern sie auch ihre Bedeutung, sobald man sie aus dem gewohnten Zusammenhang löst. Ein „Lexikon“ ist dafür eine überraschend passende Form. Was zuerst wie ein trockenes Wörterbuch wirkt, entpuppt sich beim Lesen als erheiternde Satire.

Es entsteht eine Verschiebung, die man beim Lesen des Buchtitels nicht erwartet. Denn ein Begriff, der für sich allein steht, ordentlich aufgelistet in einem Lexikon, lässt sich nicht mehr so leicht verstecken. Er muss beweisen, was in ihm steckt. Oder eben zeigen, dass er es nicht kann.

Nimmt man zum Beispiel einen Begriff wie „Allmacht“ und betrachtet ihn nicht im Zusammenhang eines Glaubenssystems, sondern isoliert, beginnt er sofort zu kippen. Was heißt das eigentlich – Allmacht? Und was folgt daraus? Plötzlich entstehen Fragen, die im gewohnten Rahmen gar nicht gestellt werden.

In „Allerlei Gotteslästerliches“ hat Otto Diendorfer Begriffe aus Religion und Glauben zusammengestellt und sie so behandelt, als müsste man sie zum ersten Mal verstehen. Dabei wird keine Rücksicht auf gewohnte Bedeutungen genommen. Manche Wörter sind in dieser Hinsicht schlicht nicht zu retten.

Dabei geht es gar nicht um systematische Kritik, sondern um andere Sichtweisen, die mal nüchtern, mal ironisch, mal zugespitzt daherkommen – aber immer mit dem gleichen Effekt: Selbstverständliches beginnt zu wackeln.

Zugegeben, das kann religiös geprägte Menschen irritieren, denn es ist eine ungewohnte Form der Religions- und Kirchenkritik. Aber es kann auch zum Lachen bringen – oder beides gleichzeitig. Gerade diese Mischung macht den Reiz aus. Wer sich darauf einlässt, erhält die Möglichkeit, Gewohntes auch mal anders zu betrachten.

Hier geht’s zum Buch „Allerlei Gotteslästerliches“.

Wer diesen Zugang spannend findet, wird auch in anderen satirischen Titeln aus dem Verlagsprogramm ähnliche Perspektiven entdecken – auf ganz unterschiedliche Weise.

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