Ist die Welt wirklich getrennt – oder gehört alles zusammen?

von | Apr. 24, 2026 | Bewusstsein | 0 Kommentare

Manchmal reicht ein Gedanke, und die Welt ist nicht mehr so klar getrennt, wie sie eben noch schien. Innen und außen, Mensch und Natur, Denken und Fühlen – alles scheint sonst ordentlich sortiert. Und doch reicht manchmal ein Gedanke, ein Bild, ein Text, und diese Ordnung beginnt zu wackeln.

Genau so ein Moment entsteht bei einem kleinen Buch: „Heiliger Einklang aller Wesen“ von Eckhart Pilick. Der schmale Band aus der ALV-Schriftenreihe kommt zunächst leise daher, eröffnet aber einen überraschend weiten Horizont.

Im Zentrum steht eine Idee, die heute fast fremd wirkt und zugleich etwas erstaunlich Vertrautes hat: die Vorstellung, dass Natur und Geist keine Gegensätze sind. Dass die Welt nicht aus getrennten Bereichen besteht, sondern aus Zusammenhängen. Für den Philosophen Schelling war Natur nicht einfach „Materie“, sondern etwas Lebendiges, etwas, das mit uns verbunden ist. Natur war für ihn sichtbarer Geist, während unser Denken gewissermaßen unsichtbare Natur ist.

Das klingt zunächst abstrakt. Und doch bekommt es eine ganz eigene Anschaulichkeit, wenn man sieht, wie sich diese Vorstellungen in der Literatur widerspiegeln. Eckhart Pilick bringt in diesem Büchlein Philosophie und Dichtung zusammen und zeigt, wie sich große Ideen nicht nur in Begriffen, sondern auch in Bildern, Stimmungen und Geschichten ausdrücken.

E. T. A. Hoffmann wird dabei zu einer Art Vermittler. In seinen Texten tauchen diese philosophischen Ideen nicht trocken auf, sondern verwandelt – spielerischer, manchmal auch leichter zugänglich. Was bei Schelling wie ein theoretisches Gebäude wirkt, bekommt hier eine andere Form, eine, die man eher spürt als versteht.

Das macht den Reiz dieses Buches aus. Es geht nicht darum, etwas schnell „zu begreifen“. Es geht eher darum, sich auf eine andere Art des Denkens einzulassen. Eine, die weniger trennt und mehr verbindet. Eine, die nicht sofort in richtig oder falsch einordnet, sondern Zusammenhänge sichtbar macht.

Gerade wenn man gewohnt ist, die Welt in klare Kategorien zu sortieren, kann das irritierend sein. Aber es ist auch befreiend, denn plötzlich wird denkbar, dass wir vieles, was wir für selbstverständlich halten, auch anders sehen könnten.

Dieses Buch richtet sich an Leser, die ihre Gedanken auch mal abseits der gewohnten Pfade spazieren gehen lassen. Es ist eine Einladung, langsamer zu werden und genauer hinzusehen. Und wenn sich dabei die eigene Sicht auf die Welt ein Stückchen verschiebt – warum nicht?

Hier geht’s zum Buch.

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