Manche Bücher beginnen ganz nah am eigenen Leben, andere gehen den umgekehrten Weg. „Besen, Besen, seid’s gewesen“ gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Es setzt nicht bei uns an, sondern außerhalb, weit außerhalb unserer gewohnten Perspektive. Es beginnt nicht bei dem, was wir sind, sondern bei der Frage, wie wir wirken würden – von außen betrachtet.
Die Ausgangsidee ist so einfach wie verstörend: Eine fremde Zivilisation untersucht die Erde. Oder genauer gesagt das, was von ihr übrig ist. Man findet Spuren und Texte sowie weitere Fragmente einer untergegangenen Welt und beginnt, sich ein Bild zu machen. Was waren das für Wesen, die hier gelebt haben? Woran haben sie geglaubt? Und warum?
Mit diesem Kunstgriff entsteht ein Abstand, der ungewohnt ist. Plötzlich erscheinen Dinge, die uns selbstverständlich vorkommen, in einem anderen Licht: dass Menschen an Götter glaubten, dass sie Erklärungen für Dinge erfanden, die sie nicht verstanden. Und auch, dass sie Überzeugungen entwickelten, für die es keine Belege gab – und diese mit großer Ernsthaftigkeit verteidigten.
Aus der Nähe, im Alltag, wirkt das nicht immer schlüssig – aber vertraut. Wir kennen das. Aus der Ferne betrachtet, mit einem richtig großen Abstand, wirkt es seltsam. So ist eine Verschiebung entstanden, die die Stärke dieses Buches ausmacht.
Max Kruse , vielen bekannt als der Vater des Urmel, erzählt hier nicht einfach Religionsgeschichte. Er zeigt, wie sie wirkt, wenn man sie nicht als selbstverständlich voraussetzt. Plötzlich beginnt man zu sehen, dass vieles, was als logisch gilt, tatsächlich auf Annahmen beruht, auf Vorstellungen und Bildern, die sich über Jahrhunderte aufgebaut haben.
Gleichzeitig wird deutlich, dass es immer auch andere Linien gab: Zweifel, Denken und Versuche, die Welt nicht zu erklären, sondern zu verstehen. Das Buch verfolgt diese Entwicklung – von frühen religiösen Vorstellungen über die großen Kulturen bis hin zur Aufklärung.
Max Kruse erinnert dabei an etwas, das leicht übersehen wird: Das, was wir heute als selbstverständlich betrachten – die Freiheit des Denkens, Meinungsfreiheit, wissenschaftliche Erkenntnis – ist nicht einfach so nebenbei entstanden. Diese Freiheiten wurden erarbeitet – oft genug hart erkämpft und gegen Widerstände durchgesetzt.
Max Kruse wollte mit diesem Buch nicht einen nostalgischen Blick zurück bieten, und auch nicht einfach nur die Verhältnisse kritisieren. Er wollte der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten – aber einen, der aus einer ungewöhnlichen Perspektive auf uns gerichtet ist. Dieser Spiegel stellt eine leise, aber hartnäckige Frage: Was bleibt von einer Gesellschaft, wenn man ihre Selbstverständlichkeiten wegnimmt? Wenn man nicht mehr davon ausgeht, dass das, was geglaubt wurde, auch stimmen muss? Wenn man nur noch sieht, was sich tatsächlich belegen lässt – und was nicht?
Die Antworten darauf sind nicht eindeutig und vor allem nicht einfach. Aber es gibt sie, und sie verändern sich beständig. Das ist auch gut so, denn das Buch liefert keine fertigen Schlussfolgerungen, sondern es eröffnet einen Denkraum. Und genau darin liegt seine Stärke. Man liest – und merkt irgendwann, dass es nicht mehr nur um die Vergangenheit geht, sondern um dich und mich, um uns alle, um die Art, wie wir die Welt sehen, und um die Frage, wie sicher dieses Bild eigentlich ist.
Wenn du dich für dieses Buch interessierst, freue ich mich, wenn du es im Buchhandel bestellst – oder am besten direkt in meinem Online-Shop


Ein ungewöhnliches Thema, eine, im Wortsinn, aparte Herangehensweise. Das Buch möchte ich unbedingt lesen (und deshalb kaufen), denn ich verspreche mir Anregung, Bildung, Querdenken (auf keinen Fall in derzeit üblichen Bedeutung!!!).